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Finanzmarktpsychologie: Der Unterschied zwischen Stimmung und Erwartung

Ich möchte Sie zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen, dass zumindest auf den ersten Blick so gar nichts mit den Aktienmärkten zu tun hat.

Sie werden anschließend sehen, worauf ich hinaus will. Versuchen Sie, die folgende Denkaufgabe intuitiv zu lösen:

- Ein Schläger und ein Federball kosten zusammen 1,10 Euro.

- Der Schläger kostet 1,- Euro mehr als der Federball.

Frage: Wie viel Cent kostet der Federball?

Ihnen kommt nun wahrscheinlich sehr schnell eine Zahl in den Sinn. Sollte diese Zahl 10 sein – also 10 Cent –, so ist diese Antwort falsch.

Wenn Sie ein wenig rechnen oder einfach verschiedene Zahlenkombinationen durchprobieren, dann kommen Sie recht schnell auf die richtige Antwort. Der Federball kostet 5 Cent, der Schläger 105 Cent.

Aber warum blinkt in unserem Kopf zuerst die Zahl 10 auf?

In unserem Hirn laufen zwei Systeme

Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann befasst sich seit Jahrzehnten mit der Fragestellung, wieso Menschen in bestimmten Situationen oft irrationale und manchmal offensichtlich falsche Entscheidungen treffen.

Er ist – unter anderem durch die Erkenntnisse der Hirnforschung – zu dem Schluss gekommen, dass sich unser Denkapparat in zwei Teile gliedern lässt.

System 1 arbeitet sehr impulsiv, schnell und mühelos. Leider vereinfacht es aber relevante Sachverhalte oftmals zu stark.

Dagegen funktioniert System 2 sehr rational und erfasst auch komplizierte Sachverhalte. Allerdings hat es den Nachteil, dass es mehr Zeit zur Informationsverarbeitung benötigt als System 1 und nur unter Anstrengung und Selbstkontrolle läuft.

Die Hirnregionen, die dem System 1 zuzuordnen sind, gehören zu den älteren Teilen unseres Denkapparats. Schon die Höhlenmenschen sind mit Ihnen ausgestattet gewesen.

System 1 sorgt dafür, dass uns bei einem einfachen Zahlenrätsel zuerst eine naheliegende – aber falsche – Antwort in den Sinn kommt, noch bevor das rationale System 2 Gelegenheit hat, den Denkprozess aufzunehmen.

Wahrscheinlich hat System 1 auch bei unseren Vorfahren schon sehr schnell funktioniert. Wenn ein hungriger Säbelzahntiger auf einen Menschen trifft, ist es sicherlich nützlich, schnell und ohne Zögern zu reagieren.

Unser Hirn ist eigentlich nicht für die Finanzmärkte geschaffen

Dummerweise ist das, was dem Höhlenmenschen bei der Begegnung mit dem Säbelzahntiger von Nutzen ist, eher hinderlich für unsere Entscheidungen an den Finanzmärkten.

Allzu oft reagieren wir als Anleger in Stresssituationen – und seit der Finanzkrise 2008 gab es davon ja einige – emotional und hektisch.

Im Nachgang hört man sich vielleicht ab und zu sagen, dass die Situation ja eigentlich ganz klar gewesen ist.

Hätte man an der einen oder anderen Stelle mit etwas mehr Ruhe seine Entscheidungen genau überdacht, wäre mancher Fehler vielleicht nicht unterlaufen.

Keine Sorge: Dieses Verhalten ist nur allzu menschlich. Aber ein Bewusstsein für die mentale Anlegerfalle des System 1 zu entwickeln, ist schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Fazit: Halten Sie sich an einen disziplinierte Anlagestrategie

Verlassen Sie sich auf ihre mittel- bis langfristigen Erwartungen und lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Stimmungen leiten. Das ist natürlich in der Realität leichter gesagt als getan.

Gerade wenn sehr plötzlich etwas Unvorhergesehenes passiert, reagiert unser Gehirn impulsiv – und leider auch emotional.

Halten Sie sich daher an eine klare Anlagestrategie, die Sie auch dann diszipliniert weiter verfolgen, wenn ein überraschendes Ereignis eintritt – sei es für den Aktienmarkt oder auch für einen Einzeltitel.

Lassen Sie sich hingegen nicht von jeder neuen Nachricht verunsichern, auch wenn die Kurse sich daraufhin kurzfristig in die eine oder andere Richtung sprunghaft bewegen.

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Zinszyklus: 30 Jahre steigende Zinsen?

Haben Sie schon einmal vom sogenannten Zinszyklus gehört?

Einige Finanzmarkthistoriker weisen auf einen stabilen 30-Jahres-Zinszyklus hin. Demnach würden die Zinsen in den kommenden 30 Jahren steigen.

Für die Auswahl der richtigen Anlageklasse hätte diese Entwicklung natürlich einen entscheidenden Einfluss.

Doch funktioniert es wirklich so einfach?

Die längsten Datenhistorien habe ich für die USA vorliegen. Man kann tatsächlich ca. alle 30 Jahre einen Trendwechsel bei den Zinsen beobachten. Die Wendepunkte in der Übersicht:

- 1831: Tiefpunkt

- 1861: Hochpunkt

- 1891: Tiefpunkt

- 1921: Hochpunkt

- 1951: Tiefpunkt

- 1981: Hochpunkt

-2011: Tiefpunkt ???

Demnach hätte sich um das Jahr 2011 herum ein Tiefpunkt bilden müssen. Noch ist diese Möglichkeit nicht ganz vom Tisch. Theoretisch könnten wir uns seitdem in einer langfristigen Bodenbildungsphase bei den Zinsen befinden.

Doch bei allen auf den ersten Blick noch so stabilen Zyklen muss man immer die Frage stellen, ob fundamentale Gründe für einen langfristigen Trendwechsel gegeben sind.

Inflation als Ursache für steigende Renditen

Es ist ewig her, dass Sie auf Ihrem Sparbuch zweistellige Traumrenditen bekommen konnten.

Das letzte eindeutige Hochzinsumfeld lag in den siebziger Jahren vor. Damals trieben der Ölpreis-Schock und die daraus resultierenden Inflationsängste die Renditen in die Höhe.

Wenn die Inflation steigt, fordern Anleger höhere Renditen auf ihre Geldanlage, um den Kaufkraftverlust zu kompensieren.

Wir sind heute weit von einer ausufernden Inflation entfernt, auch wenn die Ängste immer wieder von den Medien geschürt werden.

Und das ist ein wesentlicher Unterschied zu den siebziger Jahren.

Auch die Angst vor einem Staatsbankrott treibt Renditen in die Höhe

Neben Inflationsgefahren ist ein möglicher Staatsbankrott ein weiterer fundamentaler Grund für steigende Zinsen. Die Renditen in den Krisenländern der Eurozone sind von 2010 bis 2012 nicht wegen Inflationsgefahren gestiegen.

Die Renditen sind damals in diesen Ländern angestiegen, weil Investoren aufgrund der hohen Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen höhere Risikoprämien – also höhere Renditen – eingefordert haben.

Seit 2012 sind selbst in diesen Krisenländern die Renditen durch die stützenden Eingriffe der Europäischen Zentralbank wieder rückläufig.

Keine Trendwechsel bei den Zinsen in Sicht

Was könnte also diesmal der der fundamentale Auslöser sein, damit die Zinsen für lange Zeit – vielleicht sogar 30 Jahre lang – steigen?

Beim letzten Wendepunkt Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger lagen gute Gründe für einen Trendwechsel vor: Die Politik der Zentralbanken!

Anders als heute kam mit Paul Volcker ein Präsident an die Spitze der US-Notenbank, der der Inflation den Garaus bereiten wollte.

Er erhöhte zunächst den Leitzins auf über 20% (!), was die Inflation schnell abwürgte. Ohne Inflation werden Zentralbanken nicht lange an einer Zinserhöhungspolitik festhalten.

Auch damals nicht: Nachdem sich abgezeichnet hat, dass die Inflationsraten ihren Hochpunkt überschritten hatten, gab es keine Gründe mehr für hohe Leitzinsen. Im Gegenteil: Seit Anfang der achtziger Jahre ging es mit den Zinsen steil bergab.

Eine Änderung der „Spielregeln“, der fundamentale Faktor, der die Zinsen in Deutschland oder den USA in die Höhe treiben kann, ist derzeit noch nicht in Sicht.

Seien Sie als Anleger also vorsichtig, wenn Sie vom 30-Jahres-Zinszyklus lesen. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist derzeit noch nicht in Sicht.

Bei den derzeitigen Mini-Zinsen sollten Sie Ihren Fokus weiterhin auf Sachwerte setzen, wie z.B. ausgesuchte Qualitätsaktien.

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Goldpreis: Geduld zahlt sich langfristig aus

Als Goldanleger haben Sie in den vergangenen drei Jahren gute Nerven benötigt.

Seit dem Hochpunkt im September 2011 bei rund 1.900 $ ist der Goldpreis bis zum Juni 2013 auf zeitweise unter 1.200 $ gefallen – ein Absturz um mehr als 35%!

Seitdem stabilisiert sich der Goldpreis wieder – wenn auch nur gemächlich. Ist die Erholungsbewegung Teil einer Bodenbildungsphase oder erleben Goldanleger derzeit nur die Ruhe vor dem Sturm, bevor es weiter abwärts geht?

Wie sollten Sie sich als Anleger beim Gold also derzeit positionieren?

Deutliche Korrektur nicht ungewöhnlich für Gold-Bullenmarkt

Bei der panischen Stimmung in der Medienlandschaft in Bezug auf den Goldpreis im letzten Sommer hätte man meinen können, das Ende des Gold-Bullenmarkts sei bereits ausgemachte Sache.

Plötzlich meldeten sich all jene zu Wort, die in der Goldpreisentwicklung der letzten Jahre immer schon eine Blase gesehen haben wollten.

Und der Blick auf den Kurschart wurde dann noch gleich als Beleg hierfür gewertet. Doch Vorsicht: Die aktuelle Korrektur ist für einen Gold-Bullenmarkt nicht ungewöhnlich.

Im letzten großen Gold-Bullenmarkt während der siebziger Jahre stieg der Goldpreis zunächst bis zur Mitte des Jahrzehnts um mehr als 500% an.

Bevor allerdings der große Schub Ende der siebziger Jahre diesen Kursanstieg noch in den Schatten stellen sollte, wurde es für Gold-Bullen richtig ungemütlich.

Denn innerhalb von knapp zwei Jahren halbierte sich der Goldpreis zwischenzeitlich noch einmal. Erst danach setzte der finale Kursanstieg ein, der den Goldpreis von gut 100 $ auf fast 900 $ katapultierte.

Die Korrektur beim Goldpreis seit September 2011– so hässlich sie auf dem Kurschart auch aussieht – kann also nicht als Beleg  dafür gewertet werden, dass der Bullenmarkt bereits zu Ende ist.

Paul Volcker hat den Gold-Bullenmarkt in den 70er Jahren beendet

Warum sollten Sie als langfristig orientierter Anleger also an Ihren Gold-Positionen festhalten oder aufbauen?

Ganz einfach: Der entscheidende Faktor, der als Katalysator das Ende des Bullenmarkts besiegeln könnte, ist eben noch ausgeblieben.

Im letzten Gold-Bullenmarkt in den siebziger Jahren spielte der damals neu designierte US-Notenbank-Präsident Paul Volcker den Spielverderber. Er sagte der Inflation mit seiner neuen, sehr restriktiven Geldpolitik den Kampf an.

Heute sind wir von einem solchen Auslöser meilenweit entfernt. Bislang ist die große Inflation noch ausgeblieben, die man bekämpfen könnte – ob die heutigen Notenbanken dies überhaupt wollten, ist nochmal eine ganz andere Geschichte.

Wenn Sie also an die fundamentalen Gründe für die Gold-Hausse glauben und daher strategisch – nicht kurzfristig – in Gold investiert sind, heißt es Ruhe bewahren und der Angst trotzen.

Anders als in den siebziger Jahren drucken die Notenbanken derzeit noch Unmengen an Geld – auch wenn sie zeitweise das Tempo etwas drosseln – und halten die Zinsen auf Rekord-Tiefständen.

Dies spricht ganz klar dafür, dass wir uns momentan in einer Phase der Bodenbildung beim Goldpreis befinden und der langfristige Bullenmarkt noch nicht vorüber ist.

Das Beispiel der siebziger Jahre zeigt, dass Sie als weitsichtiger Anleger auch temporäre Verluste aussitzen sollten, um den großen Anstieg mitnehmen zu können. Bleiben Sie also investiert.

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Die richtigen Aktien-ETFs für die langfristige Geldanlage

ETFs eignen vor allem für Ihre langfristige Geldanlage.

An das Potenzial hervorragender Einzeltitel kommen diese Instrumente zwar nicht heran. Allerdings sind ETFs eine gute Möglichkeit, um breit gestreut in ein bestimmtes Aktiensegment zu investieren.

Während aktive Fondsmanager von traditionellen Publikumsfonds sich extrem schwer tun, dauerhaft ihren Vergleichsindex zu schlagen, liegt die Wertentwicklung von ETFs sehr dicht an der Wertentwicklung des jeweiligen Index.

Gerade wenn Sie ETFs für die Langfristanlage, z.B. als Baustein für Ihre Altersvorsorge suchen, sollten Sie sich auf Sektoren und Themen fokussieren, die für die nächsten Jahre strukturelle Vorteile aufweisen.

Heute möchte ich Ihnen einen Überblick über drei Segmente und den entsprechenden ETFs geben, die für Ihre langfristige Aktienquote sinnvoll sind.

Pharma (Health-Care)

Da wäre zunächst der Health-Care-Sektor. In den USA hat Präsident Obama in den letzten Jahren das Gesundheitswesen reformiert. Davon profitieren Pharma-Aktien. Doch auch in den anderen etablierten Industrienationen stehen die Zeichen für die Branche auf Wachstum.

Aufgrund der kippenden Alterspyramide – immer weniger junge und immer mehr alte Menschen – steigt die Nachfrage nach medizinischer Versorgung.

Ein deutlich „gesünderer“ Grund für das Wachstum der Branche finden wir in den aufstrebenden Schwellenländern. Hier gibt es immer mehr Menschen, die sich Gesundheit etwas kosten lassen wollen und nun auch können.

Health-Care-ETFs (unterschiedliche Welt-Regionen):

  • Global:   db x-trackers MSCI World Health Care (WKN: DBX0G8)
  • Europa:   Lyxor ETF STOXX Europe 600 Healthcare (WKN: LYX0AS)
  • USA:   Lyxor ETF S&P 500 Cap. Health Care Sector (WKN: LYX0N8)

Infrastruktur

Auch im Infrastruktur-Sektor will der online casino US-Präsident investieren. Losgelöst von Obamas Konjunktur-Programm wird der Sektor global wachsen.

Die Infrastruktur-Ausgaben in den Schwellenländern sind in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt. Und in den nächsten Jahren werden gerade hier die Investitionen in neue Straßen, Brücken und Gebäude nicht abreißen.

Infrastruktur-ETFs (unterschiedliche Welt-Regionen):

  • Global:   db x-trackers S&P Global Infrastructure (WKN: DBX1AP)
  • Schwellenländer:   iShares S&P Emerging Market Infrastructure (WKN: A0RFFS)

Dividendenwachstum

Als regelmäßiger Leser meiner Artikel wissen Sie: Bei Dividenden ist für mich nicht die Größe entscheidend!

Ich lege viel größeren Wert auf eine lange Historie an kontinuierlich steigenden Dividendenzahlungen, selbst wenn die Dividendenrendite dafür etwas geringer ausfallen.

Nur Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und nachhaltig steigenden Gewinnen sind in der Lage, jedes Jahr Ihre Dividende zu erhöhen. Das zeigt sich vor allem in langfristig steigenden Aktienkursen.

Genau solche Unternehmen wollen wir haben, wenn es um die langfristige Aktienanlage geht.

ETFs auf Dividendenwachstumsaktien (unterschiedliche Welt-Regionen):

  • Global:   SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS (WKN: A1T8GD)
  • Europa:   SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (WKN: A1JT1B)
  • USA:   SPDR S&P US Dividend Aristocrats (WKN: A1JKS0)
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