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Tesco-Aktie: Britischer Einzelhandelsriese schreibt Rekordverlust

Tesco ist Ihnen bestimmt ein Begriff. Der britische Lebensmittelkonzern ist der drittgrößte Supermarktkonzern weltweit. Von 2003 bis Ende 2007 konnten die Anleger mit einem Investment in den Supermarktgiganten nicht viel falsch machen. Um über 700% schoss der Aktienkurs nach oben.

Danach folgte ein beispielloser Einbruch. Sinkende Umsätze und wegbrechende Gewinne sorgten für einen Kurseinbruch um über 50%

Was sind die Ursachen für den massiven Wertverlust? Wie steht es um die Zukunftschancen des Konzerns?

Auch Warren Buffett hat auf das falsche Pferd gesetzt

Lange Zeit galt Tesco als britisches Vorzeigeunternehmen. Stabile Margen, ein nahezu unantastbarer Marktanteil und schlummernde Immobilienvermögen zogen viele Investoren magisch an.

Einer von Ihnen war Warren Buffett, der 2006 bei Tesco einstieg. Trotz der schlechten Geschäftsentwicklung erhöhte der Starinvestor 2012 seinen Anteil auf über 5%.

Aber der damalige Tesco-Manager Philip Clarke versuchte vergeblich, die Trendwende einzuleiten. In 2013 verkaufte Buffett 114 Mio. von seinen 415 Mio. Aktien. Mittlerweile hat die Investmentlegende alle Aktien mit einem hohen Kursverlust von 396 Mio. Euro veräußert und das Investment als einen seiner größten Fehler bezeichnet.

Tesco erwirtschaftet größten Verlust in der Unternehmensgeschichte

Der Preiskampf mit den Discountern Aldi und Lidl hat dem Konzern den höchsten Verlust der Firmengeschichte eingebrockt. Unterm Strich stand ein Verlust von 5 ,77 Mrd. Pfund zu Buche.

Das ist zugleich der höchste Verlust, den je ein britisches Unternehmen verbucht hat. Nur für Sie zum Vergleich. In 2011 wurde noch ein Gewinn von 2,7 Mrd. Pfund erwirtschaftet.

Der Konzern mit seinen 510.000 Beschäftigten kämpft derzeit an vielen Fronten. Der Fokus auf die rasche Auslandsexpansion führte zur Vernachlässigung des wichtigen Heimatmarkts.

Bilanz durch Sonderbelastungen geprägt

Im vergangenen Sommer übernahm Chef Lewis von Unilever das Ruder und verordnete Tesco eine Radikalkur. Die Investitionen wurden drastisch gekürzt, unprofitable Läden geschlossen und sogar der Firmensitz in Chesnut wurde dichtgemacht. Zudem will sich Lewis aggressiv dem Preiskampf widmen.

Das Ganze hinterlässt tiefrote Spuren in der Bilanz. Alleine die Neubewertung der Supermärkte und Immobilien schlug mit 7 Mrd. Pfund zu Buche.

Tesco steckt im mittleren Preissegment fest

Der Platz für Tesco wird immer kleiner. Denn der Konzern bedient das mittlere Preissegment.

Während sich Aldi und Lidl im Billigsegment tummeln, haben erfolgreiche Ketten wie Waitrose das hochpreisige Segment für sich erschlossen.

Wie geht’s jetzt weiter?

Immerhin hat Tesco in Großbritannien noch einen Marktanteil von 28,7%. Damit liegt die Firma noch deutlich vor Aldi und Lidl (5,0% und 3,5%). Dem Konzern muss es aber schleunigst gelingen, auf die geänderten Kundenbedürfnisse einzugehen.

Viel Hoffnung macht Firmenchef Lewis den Anlegern unterdessen nicht. Seine Aussage „Der Markt bleibt schwierig und wir erwarten in den kommenden Monaten keine Besserung“ sollte von Investoren eher dazu genutzt werden, sich den Sanierungsfall von der Seitenlinie anzuschauen.

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Leifheit-Aktie: Großaktionär steigt komplett aus

Die Aktionäre des Haushaltswaren-Herstellers Leifheit hat es gestern ordentlich durchgeschüttelt. Der Grund für die zweistelligen Kursverluste war der Ausstieg der Eigentümerfamilien Schuler-Voith (HOME Beteiligungen GmbH).

Trotz des heftigen Kursabschlags können sich Anleger über eine herausragende Entwicklung freuen. Seit Januar 2009 ging es immerhin um stramme 1.000% nach oben.

Was sind die Hintergründe des Verkaufs? Liegen die besten Zeiten bereits hinter Leifheit? Was können Sie von der zukünftigen Strategie erwarten?

Leifheit-Konzern: Klein aber fein

Der 1959 in Nassau an der Lahn gegründete Konzern zählt mittlerweile zu den führenden europäischen Markenanbietern von Haushaltsartikeln. Ob Wäschespinnen, Bügeltische oder Küchenzubehör – in nahezu jedem Haushalt kommen Leifheit-Produkte vor.

Mit den Marken Leifheit und Söhnle haben die Nassauer mittlerweile eine Markenbekanntheit von über 90% erreicht. Die Firma ist mit 15 Standorten in über 80 Ländern aktiv.

Bei den Erlösen ging es in den vergangenen Jahren aber nur langsam aufwärts. Von 2010 wurde der Umsatz von 211 Mio. Euro auf zuletzt 220,7 Mio. Euro hochgefahren. Wesentlich beeindruckender entwickelte sich das Vorsteuerergebnis.

Die Steigerung von 8,8 Mio. Euro auf 21,5 Mio. Euro bedeutet immerhin eine Verbesserung der EBIT-Marge um 5,57 Prozentpunkte. Sie müssen hierbei aber beachten, dass Leifheit starken Rückenwind durch den schwachen Euro hat. Bereinigt um Währungseffekte lag das EBIT bei 16,4 Mio. Euro.

Nach dem Kurssturz (-14%) wird die Gesellschaft an der Börse mit 250 Mio. Euro bewertet. Bei den Investoren war die Aktie in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen beliebt. Denn Leifheit gilt als grundsolide. Es gibt keine Bankverbindlichkeiten – zum Jahresende schlummerten sogar 62,8 Mio. Euro an liquiden Mitteln in der Kasse.

Die Eigenkapitalquote lag mit 42% ebenso im komfortablen Bereich. Zum anderen gilt der Konzern als verlässlicher Dividendenzahler. Für 2014 wird die Dividende nochmals auf 1,80 Euro je Aktie erhöht (Vorjahr: 1,50 Euro). Damit ergibt sich eine Dividendenrendite von immerhin 3,5%.

Eigentümerfamilien richten sich neu aus

Der Verkauf des Aktienpakets von knapp über 50% erfolgte informierten Kreisen zufolge zu einem Kaufpreis von 49 Euro und lag damit 16% unter dem Schlusskurs des Vortags.

Die Münchener Investorenfamilie war seit 30 Jahren an Leifheit beteiligt. Während der Patriarch Robert Schuler-Voith operativ noch involviert war, sind die Kinder offenbar an einer Fortführung des Beteiligungsgeschäfts des Vaters nicht interessiert.

Bereits in 2012 gab es Spekulationen um einen möglichen Verkauf. Unterschiedliche Preisvorstellungen ließen die Bemühungen jedoch im Sande verlaufen.

Im Zuge der Nachfolgeregelung trennte sich die Familie bereits in 2012 von einem großen Beteiligungspaket an der Schuler AG (38,2%).

Marge soll weiter gesteigert werden

Das Management peilt bei einem Erlöszuwachs von 5-6% pro Jahr eineEBIT-Marge von 8% an (zuletzt um Fremdwährungseffekte bereinigt: 7,4%). Zusätzlich soll das Wachstum durch eventuelle Zukäufe angekurbelt werden.

Der Ausstieg des Großaktionärs erfolgte auf dem Allzeithoch der Leifheit-Aktie. Nach dem Kurssturz ist die Aktie aber weiterhin nicht ganz günstig. In den vergangenen Jahren war Leifheit noch fast für den Buchwert zu haben. Mittlerweile müssen Anleger das 2,5-Fache des Buchwerts auf den Tisch legen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für das laufende Jahr zeigt ebenfalls, dass sich das Papier hoher Beliebtheit erfreut. Ein Grund könnte die solide Bilanz und das defensive Geschäftsmodell sein.

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