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Bertrandt: Aktie zieht trotz Gewinneinbruch kräftig an

Grund zur Freude hatten die Aktionäre des führenden Ingenieurdienstleisters schon länger nicht mehr. Seit gut zweieinhalb Jahren kennt die Aktie nämlich nur eine Richtung – mit kleinen Erholungspausen ging es abwärts. Von ihrem Rekordhoch bei 138 Euro haben sich die Papiere, trotz dem jüngsten Kurssprung, mittlerweile deutlich entfernt.

Aktuell notiert die Aktie bei 74,60 Euro seit Jahressicht 25% im Minus – von dem 2015er Allzeithoch sind die Papiere sogar 45% entfernt. Wohlgemerkt in einer Zeit, in der es für Nebenwerte stramm nach oben ging. Für Sie zum Vergleich: Der SDAX , ein Index für kleiner kapitalisierte Aktien, hat im gleichen Zeitraum um fast 35% an Wert zugelegt.

Was sind die Gründe für diese lange Konsolidierungsphase? Wie steht es um die mittelfristigen Aussichten des Ingenieursspezialisten? Was sagen die Analysten im Moment zum Kurspotenzial von Bertrandt?

Führender Ingenieursdienstleister für die Automobilindustrie

Bertrandt ist ein Entwicklungsdienstleister mit Fokus auf die europäische Automobil- und Luftfahrtindustrie. Das Geschäft mit Kunden aus der Medizintechnik, dem Anlagenbau oder Versorgern wurde gestartet. Aufgrund  der  eigenen  Projektverantwortung  unterscheidet sich  das  Geschäftsmodell  von  Zeitarbeitsfirmen.  Bertrandt  wird  nämlich nur  im Auftrag tätig.

Die Vergütung erfolgt als Fixpreis oder nach geleisteten Stunden.  Das  starke  Wachstum  des  Unternehmens  war auf die stetig steigenden  Entwicklungsausgaben  und  vermehrtes  Outsourcing  (der Automobilindustrie) zurückzuführen. Bertrandt ist nicht von der zyklischen Pkw-Produktion abhängig. Treiber  der  Nachfrage  sind  eMobilität  (Reduzierung von  Abgasemissionen),  zunehmende Modellvielfalt,  regulatorische Anforderungen und die Gewichtsreduktion von Pkw und Flugzeugen.

Kräftiger Gewinneinbruch in den ersten neun Monaten

Abhängig vom Aufgabenfeld ist Bertrandt stets unter den ersten drei Anbietern im Markt positioniert. Dabei bietet das Unternehmen die größte Leistungsvielfalt im Markt und ist somit bei komplexen Projekten erste Wahl. Dass eine starke Marktposition aber nicht immer ein Garant für steigende Profite ist, zeigt Ihnen ein Blick in das aktuelle Zahlenwerk, dass Bertrandt gerade vorgelegt hat.

Während der Autospezialist den Umsatz noch leicht um ein knappes Prozent auf 734,8 Millionen Euro verbessern konnte, musste das Unternehmen einen satten Gewinneinbruch verkraften. Immerhin ging es beim Betriebsergebnis auf 39,8 Millionen Euro und somit 36% in den Keller.

Preisdruck und Projektverzögerungen

Die Konzernführung führt gleich mehrere Gründe für das schwache Abschneiden ins Feld. Zum einen gab es auf Grund des Umstiegs auf Elektromobilität im Nachgang der Abgaskrise deutliche Verzögerungen bei der Projektvergabe. Zum anderen hat sich der Preisdruck zuletzt spürbar verschärft. Auch die Verlagerung von Fertigungskapazitäten macht Bertrandt zu schaffen.

So hat der Großkunde Audi zuletzt angekündigt, seine Entwicklungsressourcen effizienter zu nutzen und mehr Entwicklungsarbeit selber leisten zu wollen. Insgesamt will Audi einen Effizienzgewinn von 30% im Forschungs- und Entwicklungsbereich erreichen. So soll die Anzahl der Prototypen deutlich reduziert werden und Forschungsarbeiten zunehmend digital ausgeführt werden.

Jahresprognose wird vorerst beibehalten

Trotz der anhaltend schwierigen Lage hält die Konzernführung unverändert an den Jahreszielen fest. Angepeilt wird ein Anstieg der Erlöse um 30 Millionen Euro. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr erzielte der Konzern Jahreserlöse von 992 Millionen Euro. Bei der operativen Gewinnmarge will Bertrandt zwischen 6 und 8% erreichen. Das liegt deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (9,4%).

Dass es zu keiner schnellen Erholung der Gewinnmargen kommt, zeigt auch die Entwicklung des wichtigsten Wettbewerbers EDAG. Der Konzern kämpft mit den gleichen Problemen und zeichnete auch für die Zukunft keine deutliche Trendwende auf.

Analysten zeigen sich skeptisch

Unterdessen zeigen sich auch die Experten zurückhaltend. Während die Hälfte der Analysten in der Aktie eine Halteposition sieht, rät die andere Hälfte sogar zum Verkauf der Papiere. Bei einem geschätzten Gewinn je Aktie von 4,21 Euro für 2017 liegt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 16. Das durchschnittliche Preisziel liegt mit 70,50 Euro gut 7% unter dem aktuellen Kursniveau.

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