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Delivery Hero: Lieferdienst wagt den Sprung aufs Parkett

Lange war es still bei den Börsengängen in Deutschland. Im vergangenen Jahr wagten gerade einmal fünf Unternehmen den Sprung auf das Parkett. Doch mittlerweile scheint die Stimmung zu drehen. Mit Vapiano, dem Immobilienentwickler Noratis, dem Fintech Nada und dem Lieferdienst Delivery Hero trauen sich in dieser Woche gleich vier Unternehmen an den Kapitalmarkt.

Dabei ist Delivery Hero der mit Abstand größte Börsengang in diesem Jahr. Immerhin hat der Essenslieferdienst knapp eine Milliarde Euro bei seinem Börsengang bei Anlegern eingesammelt.

Aktien treffen auf hohe Nachfrage

Insgesamt bringt Delivery Hero 39 Millionen Aktien zu einem Preis von 25,50 Euro je Stück unter die Anleger. Laut informierten Kreisen überstieg die Nachfrage das Angebot deutlich. Der Börsengang hat ein Volumen von 996 Millionen Euro. Unter dem Strich kommt der Börsenaspirant damit auf einen Marktwert von 4,4 Milliarden Euro. Von den ausgegebenen Aktien stammen aber 20,1 Millionen Papiere aus dem Bestand von Altaktionären, der Rest kommt aus einer Kapitalerhöhung.

Der Löwenanteil des frischen Anlegergelds fließt nicht in die Expansion, sondern in die Schuldentilgung. Von den 483 Millionen Euro aus dem Börsengang will Firmenchef Östberg rund 310 Millionen in die Tilgung von Bankkrediten und Darlehen stecken. Erst mit dem restlichen Geld soll dann weiteres Wachstum finanziert werden – entweder organisch oder durch Zukäufe.

Einfaches Geschäftsmodell….

Das Geschäftsmodell von der Rocket Internet-Beteiligung Delivery Hero ist schnell erklärt. Der Börsenneuling verdient an Provisionen, die die angeschlossenen Restaurants für die Online-Vermittlung bei Lieferheld oder pizza.de bezahlen. Sie kennen es bestimmt. Ist man zu faul zum Kochen, greift man immer öfter zum Smartphone und bestellt über Online-Portale das Essen direkt nach Hause.

Delivery Hero betreibt diese reinen Online-Plattformen, die hungrige Kunden an lokale Restaurants vermitteln und deren Essen an sie ausliefern. Dafür kassiert Delivery Hero eine Gebühr. Umso mehr Kunden über die Internetmarktplätze bestellen, desto öfter klingeln bei Delivery Hero die Kassen. Mittlerweile betreibt der Konzern in über 40 Ländern Internetplattformen für Essensbestellungen.

….aber hohes Risiko

An dem Geschäftsmodell scheiden sich die Geister. Während die einen auf die Skalierbarkeit des Wachstums digitaler Essensbestellungen schwören, fürchten die anderen die aufkommende Konkurrenz. Kurz zu den Fakten. Besonders das niederländische Unternehmen Takeaway, das hierzulande mit der Marke Lieferando aktiv ist, macht Delivery Hero das Leben schwer.

Hohem Umsatzwachstum stehen satte Verluste gegenüber

Im vergangenen Jahr hat Delivery Hero mit über 9.000 Mitarbeitern 297 Millionen Euro umgesetzt (+79% zum Vorjahr). Dabei wurden 47% der Umsätze in Europa erwirtschaftet.

Trotz (oder gerade wegen des hohen Umsatzwachstums) verharrte der Konzern in den roten Zahlen. Insgesamt fiel ein Verlust in Höhe von 195 Millionen Euro an. Vor allem in Europa zeigte sich ein schwaches Bild. Hier kletterten die Verluste von 26 auf 48 Millionen Euro in die Höhe.

Dabei verweist das Management auf die hohen Expansionskosten. Der größte Posten sind aber die Vertriebsaufwendungen mit knapp 254 Millionen Euro. Was dort besonders zu Buche schlägt: das Marketing. Allein für Radio- und TV-Werbung gingen 2016 immerhin 108 Millionen Euro drauf.

Größe und langer Atem gefragt

Eines ist sicher: Der Markt für Essenslieferungen ist hart umkämpft. Das zeigen Ihnen auch die Beispiele aus anderen Ländern, in denen Firmen wie GrubHub (USA) oder JUST EAT (Großbritannien) Marktführer sind. Die großen Player versuchen alle über satte Rabattaktionen und horrende Marketingaufwendungen an Größe zu gewinnen.

Denn auf lange Sicht dürften nur die größten der Branche auch für die Kunden interessant sein. Wer allerdings das Rennen macht und wie lange sich die Investoren noch auf Verluste einstellen müssen, ist vollkommen unklar. Entsprechend volatil dürften sich die Aktien in naher Zukunft entwickeln.

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