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Führt Sparen in den Krisenländern zu weniger Wirtschaftswachstum?

Sparreformen sollen die Krisenländer langfristig wieder auf Kurs bringen.

Es ist die ewige Frage: Sollen Staaten auf Schuldenkrisen mit weiteren Schulden oder mit harten Sparmaßnahmen reagieren?

Für Sie vor allem wichtig: Wie sollten Sie als Anleger mit dieser Frage umgehen?

Der Multiplikator-Effekt: Wie viel Neuverschuldung bringt wie viel Wachstum?

Im Frühjahr 2010 wurde mit Griechenland das Thema Staatsschuldenkrise zum ersten Mal akut.

Kurz darauf – im Oktober 2010 – argumentierte der Internationale Währungsfonds, dass Sparen zwar schmerzhaft, dauerhaft jedoch unvermeidbar sei.

Kritiker meinen, dass Sparmaßnahmen – nicht nur bei überschuldeten Staaten – zu einem Rückgang der Wirtschaftsaktivität führen.

Sie argumentieren mit dem sogenannten Fiskal-Multiplikator. Er gibt an, welchen Wachstumseffekt die Neuverschuldung bzw. ein Rückgang der Verschuldung hat.

Ein Multiplikator von 1,5 beispielsweise bedeutet, dass eine Kürzung der Ausgaben um einen Euro das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Euro zurückgehen lässt. Ein Multiplikator von 0,5 bedeutet, dass für jeden Euro Ausgabenkürzung das BIP um 0,5 Euro zurückgeht.

Der Multiplikator wirkt in beide Richtungen, d.h., dass Ausgabenerhöhungen entsprechend dem Multiplikator dann zu einer Steigerung des BIP führen.

Der Fiskal-Multiplikator und die Euro-Schuldenkrise

Der Internationale Währungsfonds meint, dass verschiedene andere Effekte die negativen Wachstumseffekte ausgleichen, die über den Fiskal-Multiplikator aufgrund der Sparmaßnahmen am Wirken sind.

Erstens sollen die kurzfristig negativen Wachstumseffekte sich über die schwächer werdende Währung und damit die ansteigenden Exporte ausgeglichen werden.

Doch für die Krisenstaaten in Südeuropa gilt dies nicht. Während der Euro gemessen an der deutschen Wirtschaftsleistung wahrscheinlich viel zu schwach notiert, steht er doch viel zu hoch, wenn man es durch eine griechische oder spanische Brille betrachtet.

Eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwachen Euro fällt für die Krisenländer Europas also weg.

Zweitens könnten Sparmaßnahmen der Regierungen durch expansive Geldpolitik – also niedrige Leitzinsen der Zentralbank – ausgeglichen werden.

Doch es besteht bzgl. Zinssenkungen praktisch kein Spielraum mehr für die EZB.

Fazit: Zum Sparen ist es bereits zu spät – Die EZB setzt auf Inflationierung

Der Fiskal-Multiplikator ist natürlich ein sehr theoretisches Konstrukt. Nur weil im vergangenen Jahr vielleicht ein Euro Neuverschuldung zu einem Euro BIP-Wachstum geführt hat, sollte man dies nicht allzu mechanisch für das nächste Jahr fortschreiben.

Dass ein Rückgang der Verschuldung – also Netto-Sparen – bei heillos überschuldeten Staaten wie Spanien & Co. keine negativen Wachstumseffekte hat, wirkt ebenfalls sehr theoretisch.

Sparen wird im Fall der Krisenländer leider nichts mehr bewirken. Die Verschuldung in vielen Ländern ist bereits zu weit vorangeschritten, um das Problem durch sparen zu lösen.

Letztlich wird sich wohl die sehr pragmatische Sichtweise durchsetzen, dass es langfristig (leider) keine andere Möglichkeit gibt, dem Verschuldungsproblem Herr zu werden, als durch die Inflationierung der Schulden durch das Gelddrucken der EZB.

Als Anleger sollten Sie hierauf mit dem Kauf von Sachwerten reagieren, d.h. ausgesuchte Qualitätsaktien, Edelmetalle sowie ggf. Immobilien.

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