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Gerry Weber -Aktie: Warum es für einen Einstieg immer noch zu früh ist

Der deutschen Modebranche geht es seit geraumer Zeit ordentlich an den Kragen. Die Verlagerung hin zu mehr Onlineumsätzen, schnell wechselnde Kollektionen der übermächtigen Konkurrenten Inditex und H&M sowie Wetterkapriolen machten den Anbieter stark zu schaffen. Bei Gerry Weber kam noch verschärfend die aggressive Expansion in der Vergangenheit hinzu, die sich zunehmend rächt.

Wer als Anleger hier auf einen schnellen Turnaround gesetzt hat, muss weiterhin starke Nerven haben. Denn obwohl die Aktie von Juni 2014 bis zum Januar 2016 immerhin 75% an Wert verlor ist noch keine deutliche Besserung in Sicht. Denn auf Sicht der vergangenen 12 Monate hinken die Papiere mit -11% dem breiten Markt um satte 30% hinterher.

Warum es dennoch verfrüht ist, auf den kriselnden Modekonzern zu setzen und wie die Analysten die aktuelle Situation einschätzen, erfahren Sie jetzt.

Gerry Weber im Porträt

Gerry Weber ist ein Hersteller von Damenbekleidung und Lizenzgeber für weibliche Accessoires. Die Kernmarke „Gerry Weber“ generiert rund 75% des Konzernumsatzes. Sie ist leicht oberhalb des mittleren Preissegments positioniert und richtet sich an Frauen über 30 Jahre. Im eigenen Einzelhandel werden bereits über 37% des Umsatzes erwirtschaftet.

Inklusive Franchiseflächen & Shop-in Shops liegt der Umsatzanteil der kontrollierten Flächen bereits bei rund 80%. Rund 60% des Umsatzes werden in Deutschland erwirtschaftet, weitere 20% in Benelux, der Schweiz und Österreich. Somit ist der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit klar in Kerneuropa.

Nur ein Sonderertrag macht Mini-Gewinn möglich

Jahrelang liefen die Geschäfte wie geschmiert. Die Modefirma eröffnete immer mehr eigene Läden und fuhr die Umsätze von unter 400 Mio. Euro (2002) auf über 920 Mio. Euro hoch (2015). Bis zum Jahr 2012 zeigte der Konzern mit einer Gewinnmarge von knapp 10% eine ausgesprochen hohe Profitabilität.

Doch seitdem stock es im Getriebe. Gerade hat Gerry Weber seine vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert. Mit erschreckendem Ergebnis. Die Umsätze gingen nochmals um 20 auf 900 Mio. Euro zurück. Das operative Konzernergebnis brach regelrecht auf 13 bis 14 Mio. Euro ein.

Sie müssen wissen: Im Vorjahr stand immerhin noch ein Ergebnis von 79 Mio. Euro zu Buche. Zugleich schaffte die Modefirma nur durch einen außerordentlichen Ertrag überhaupt den Sprung in die Gewinnzone. Der Verkauf von zahlreichen Showrooms spülte nämlich 20 Mio. Euro an Sonderertrag in die Kasse.

Immer weniger Kunden kommen in die eigenen Läden

Die Zahlen machen deutlich, wo das Problem liegt. Denn die bei Modeunternehmen alles entscheidende Zahl der „Umsätze auf vergleichbarer Fläche“, ging bei den Kernmarken Gerry Weber,  Samoon und Taifun in den eigenen Läden um satte 7,6% in den Keller. Für Sie zum Vergleich: der deutsche Modeeinzelhandel verzeichnete lediglich einen Rückgang von 3 bis 4%. Lediglich die zugekaufte Marke Hallhuber war mit einem Wachstum von 2% ein Lichtblick in dem ansonsten trüben Zahlenwerk.

Sanierung zieht sich weiter hin

Auch für die nahe Zukunft stimmt Firmenchef Ralf Weber seine Anleger auf harte Zeiten ein. Auch wenn das Sanierungsprogramm und die Neuausrichtung (Verjüngung der Marke) erste Erfolge zeigen, erwartet Weber erst für das Geschäftsjahr 2017/2018 wieder profitables Wachstum. Für dieses Jahr könnten sich die Investoren auf einen weiteren Umsatzrückgang von bis zu 4% und eine Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau einstellen.

Analysten sehen weiteres Abwärtspotenzial

Vor dem Hintergrund der schwachen Jahresprognose (keine Margenverbesserung) erscheint die Aktie alles andere als billig. Das Verhältnis von Unternehmenswert zum EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) liegt immer noch bei 10 und damit doppelt so hoch wie bei einigen Konkurrenzunternehmen. Kein Wunder also, dass die Analysten mit einem durchschnittlichen Kursziel von 9,75 Euro weiteres Abwärtspotenzial sehen.

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