Produkt Logo

GFT Technologies: Wie es nach der massiven Gewinnwarnung weitergeht

Die Nachricht kam für die Anleger wie ein Schock. Noch vor gut zwei Wochen hatte der Softwarekonzern GFT seinen Kapitalmarkttag für die Investoren abgehalten und von guten Geschäften berichtet. Jetzt folgt eine kräftige Gewinnwarnung. Die Anleger reagierten verschnupft und schickten den Aktienkurs deutlich in den Keller.

Zwischenzeitlich lag das Kursminus bei über 20%. Damit haben die Papiere seit Jahresanfang ein Viertel ihres Werts verloren und gehören damit zu den schlechtesten Aktien des TEC-DAX, dem Index für deutsche mittelgroße Technologieaktien.

Was sind die Gründe für die massive Gewinnwarnung? Handelt es sich nur um ein temporäres Problem? Könnte sich der Rückschlag als interessante Einstiegsgelegenheit entpuppen?

IT-Lösungen für die Bankenbranche

GFT ist ein IT-Services-Unternehmen mit dem Fokus auf die Entwicklung und Wartung kundenspezifischer Core Banking Software-Lösungen. Core Banking-Lösungen umfassen die Aktiv-/Passiv-Steuerung, das Risikomanagement, Compliance-Software, Internet- und Mobile Banking, das Kundenmanagement sowie Lösungen für das sogenannte Multi-Channel-Marketing. Der Fokus liegt dabei auf großen Universalbanken. Deutsche Bank und Barclays sind unter den größten Kunden.

Hohe Kundenbindung gepaart mit hohen wiederkehrenden Umsätzen

Jahreslang erfreute sich die GFT-Aktie enormer Beliebtheit. Immerhin kletterten die Papiere von unter 3 Euro im Jahr 2012 bis auf über 30 Euro in 2016. Das hatte auch seinen guten Grund. Denn aufgrund des langjährigen Track Records gilt GFT als verlässlicher IT-Partner im Finanzdienstleistungssektor. Durch den Fokus auf Core Banking-Applikationen erreicht GFT eine hohe Kundenbindung. Quasi-wiederkehrende Umsätze tragen ca. 2/3 zu den Gesamtumsätzen bei.

Zugleich stellt die Kenntnis der Software-Schnittstellen des Kunden eine hohe Markteintrittsbarriere für mögliche Wettbewerber dar. Die gute Positionierung spiegelte sich auch in steigendem Geschäftsvolumen wieder. So kletterten die Umsätze von 216,8 Mio. Euro (2009) bis auf 422,6 Mio. Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Im Gegenzug verbesserten sich die Gewinne um 414% auf 24,2 Mio. Euro.

Großkunden sparen und schlagen voll ins Kontor

Doch jetzt muss der Konzern von seinen Zielen abrücken, da die beiden Großkunden Deutsche Bank und Barclays auf die Kostenbremse treten. Laut Firmenchefin Marika Lulay führen die Sparmaßnahmen der Banken für die Regionen Großbritannien und Nordamerika in diesem Jahr zu einem Umsatzausfall von 37 Mio. Euro. Damit sollen für das Gesamtjahr nur noch 425 Mio. Euro Umsatz insgesamt erreicht werden (alte Prognose: 450 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) wird bei 42 Mio. Euro (alte Prognose: 48 Mio. Euro) erwartet.

Neben den beiden schwächelnden Großkunden gibt es momentan noch weitere Faktoren, die Bremsspuren hinterlassen. Gegenwind auf der Währungsseite, rechtliche Änderungen in Brasilien und eine geringere Auslastung der Consulting-Sparte sorgen zusätzlich für Gegenwind.

Mittelfristziele werden ebenfalls gekappt

Aber damit nicht genug. Denn auch von seinen mittelfristigen Zielen nimmt der Softwarekonzern Abstand. Ursprünglich wollte das Unternehmen im Jahr 2020 bereits die 800 Mio. Euro-Marke beim Umsatz knacken und eine EBITDA-Marge von 12% erreichen. Das Ziel soll jetzt erst 2 Jahre später erreicht werden.

Geschäft mit anderen Kunden zeigt weiteres Wachstum

Wie Sie sehen, kann die hohe Konzentration auf wenige Kunden Fluch und Segen zugleich sein. Jahrelang profitierte GFT von den steigenden Ausgaben der Deutschen Bank und Barclays, die ihre IT-Systeme aufgerüstet haben. Jetzt trifft der Sparzwang den Technologiekonzern umso härter. Denn schlecht läuft es mit den anderen Kunden laut Firmenangaben keineswegs. Mit allen anderen Kunden peilt GFT in diesem Jahr ein Umsatzplus von immerhin 13% an.

Alles eine Frage der Zeit – aber kein kurzfristiger Katalysator in Sicht

Keine Frage: Das Geschäftsmodell von GFT ist weiterhin vollkommen intakt und das Wachstum wird über kurz oder lang wieder zurückkehren. Denn mit seinen Lösungen bedient der Konzern unternehmenskritische Bereiche der Banken wie zum Beispiel das Risikomanagement. Aber der Sparzwang der beiden Großkunden wird sich noch einige Zeit hinziehen.

Dies werden auch die Neukunden vorerst nicht kompensieren können. Vor diesem Hintergrund und der weiterhin nicht gerade günstigen Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25) dürften kurzfristige Impulse, die für einen steigenden Aktienkurs sorgen, eher Mangelware sein.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...