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USA schieben steuermotivierten Übernahme-Deals einen Riegel vor

Das US-Finanzministerium hat in dieser Woche die Steuerrichtlinien verschärft, um die steuermotivierte Abwanderung heimischer Unternehmen zu stoppen.

Dadurch sollen US-amerikanische Unternehmen davon abgehalten werden, ihren Firmensitz ins steuerlich günstigere Ausland zu verlagern.

Die Anzahl an US-Unternehmen, die aus Steuersparmotiven Fusionen oder Übernahmen im Ausland getätigt haben, nahm im Vorfeld der Gesetzesänderung immer weiter zu.

Zwar sind solche Deals auch weiterhin möglich, allerdings werden sie aus steuerlichen Gesichtspunkten deutlich unattraktiver.

So wird es z.B. schwieriger, liquide Mittel zu nutzen, die sich im Ausland ansammeln, was bislang zu einem Steuerspareffekt geführt hat.

Das steckt hinter einer „Inversion“

Die Wahl eines neuen Firmensitzes in einem steuerlich entgegenkommenderen Land wie Großbritannien oder Irland aus rein steuerlichen Gründen nennt man Inversion.

Um solch eine Inversion durchzuführen, übernimmt ein US-Unternehmen ein ausländisches Unternehmen oder leitet eine Fusion ein. Bei dem Übernahme- oder Fusionsziel handelt es sich in aller Regel um ein kleineres Unternehmen.

Anschließend werden die Steuerflüsse umgekehrt, was netto zu einer – oft deutlich – geringeren Steuerlast führt.

Dabei verlagert das jeweilige US-Unternehmen häufig nur den Firmensitz ins Ausland, das operative Geschäft wird meistens weiterhin in den USA betrieben.

Beispiel: Burger King & Tim Hortons

Im August hat die US-amerikanische Fast-Food-Kette Burger King im Rahmen einer Übernahme die kanadische Restaurantkette Tim Hortons geschluckt.

Ein Hauptargument für den Übernahme-Deal stellt aus Sicht von Burger King die Steuerersparnis dar.

Zum Hintergrund: Die Steuerquote für Unternehmen liegt in Kanada bei 26,5%. In den USA liegt die Steuerquote mit 40% deutlich darüber.

Wenn Burger King seinen Sitz juristisch nach Kanada verlegt, kann das Unternehmen den kanadischen Steuersatz in Anspruch nehmen.

Voraussetzung dafür ist, dass sich nach dem Zusammenschluss mindestens 20% der Anteile an dem fusionierten Unternehmen im Besitz der ausländischen Aktionäre befinden. Der amerikanische Fiskus schaut hierbei in die Röhre.

Diese Deals sind betroffen

Während die Übernahme von Tim Hortons durch Burger King wohl noch nicht von der Gesetzesänderung betroffen ist, wirken sich die neuen Richtlinien auf eine Reihe bereits geplanter Deals aus.

Hierzu zählt die geplante Übernahme des irischen Medizingeräte-Herstellers Covidien durch Medtronic oder die Akquisition eines Bereichs der italienischen Cosmo Pharmaceuticals durch Salix Pharmaceuticals.

Für das Pharma-Unternehmen AbbVie könnte es teuer werden, wenn es aufgrund der Gesetzänderung den eigentlich schon sicheren Übernahme-Deal des irischen Konkurrenten Shire doch noch platzen lässt.

In dem Fall wäre eine Strafzahlung von 1,6 Mrd. US$ an Shire fällig.

Die eingeplante Steuerersparnis könnte für das ein oder andere Unternehmen somit einen kostspieligen Ratenschwanz nach sich ziehen.

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