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Snap: Aktie des sozialen Netzwerks im Rallyemodus

Tot gesagte leben länger. Nach zwei Quartalen mit rückläufigem Kundenwachstum konnte der US-Technologiekonzern Snap seinen Nutzerschwund vorerst stoppen. An sich keine weltbewegende Nachricht, aber die Anleger waren von deutlich Schlimmeren ausgegangen. Das Management hatte die Investoren des sozialen Netzwerks Snapchat im Herbst noch auf raue Zeiten eingestimmt und vor einem weiteren Kundenverlust gewarnt.

Die Anleger reagierten geradezu euphorisch auf die gemeldeten Geschäftszahlen und trieben die Aktie um ein Fünftel nach oben. Damit haben die Snap-Papiere seit dem Dezembertief um mehr als 70% an Wert zugelegt.

Snap im Portrait

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen erst noch näher vorstellen. Snap ist ein US-amerikanisches Technologie- und Social Media-Unternehmen. Das Unternehmen wurde am 16. September 2011 von Evan Spiegel und Bobby Murphy unter dem Namen Snapchat gegründet. Die erfolgreiche Kamera-App für das Teilen von Bildern ließ das Unternehmen rasant wachsen. Lagen die Umsätze in 2015 noch bei 59 Millionen Dollar, durchbrach Snap im zurückliegenden Geschäftsjahr die Milliarden Dollar Marke.

Zu den Produkten zählt der Instant-Messaging-Dienst SnapChat. Mit der App lassen sich Fotos verschicken, die sich nach kurzer Zeit wieder von selbst löschen. Neben der App produziert Snap auch eine tragbare Kamera, sogenannte Spectacles, in Form einer Sonnenbrille. Snap bezeichnete sich selbst als Kamera-Firma.

Snap meldet höchsten Quartalsumsatz der Firmengeschichte….

Im Schlussquartal nutzten 186 Millionen User die Foto-App Snapchat, was die Anleger besonders gefreut haben dürfte. Denn damit blieb die Nutzerzahl unverändert zum vorherigen Quartal. Gleichzeitig gelang es dem Konzern deutlich besser als zuvor, aus seiner Nutzerbasis auch Kapital zu schlagen. So kletterten die Umsätze um 36% auf 390 Millionen Dollar im letzten Quartal.

Damit wurde der höchste Umsatz in einem Quartal in der bisherigen Firmengeschichte erwirtschaftet und der Umsatz je Kunde auf 2,09 Dollar deutlich gesteigert (+37%). Vor allem die Umstellung des Werbevertriebs auf Vollautomation und Auktionssystem, ähnlich wie bei dem großen Rivalen Facebook, hat sich dabei positiv bemerkbar gemacht.

…aber verharrt weiter in der Verlustzone

Unter dem Strich verharrte Snap allerdings weiter in der Verlustzone und verbrannte 192 Millionen Dollar. Damit summieren sich die angehäuften Verluste seit 2015 auf satte 5,58 Milliarden Dollar. Dennoch reagierten die Anleger begeistert, was offenbar daran lag, dass der Wert des vergleichbaren Vorjahresquartals um 45% unterschritten wurde.

Snap im beinharten Wettbewerb mit Facebook

Snapchat wurde einst als eine Plattform gehandelt, die Facebook gefährlich werden könnte. Doch nach dem abgelehnten Kaufangebot vor einigen Jahren dürfte der Konkurrent Facebook-Chef keine Sorgenfalten mehr auf die Stirn treiben. Mit seinem Dienst Instagram kopierte Facebook einfach die erfolgreiche Snapchat-Funktion (Stories), mit der die Nutzer Fotos und Videos für einen Tag mit Freunden teilen können. Offenbar mit Erfolg – mittlerweile kommt Instagram auf 500 Millionen Nutzer, die von der neuen Funktion Gebrauch machen.

Fazit: Die Zahlen waren besser als erwartet. Dennoch ist Snap weiterhin ein strauchelndes Social Media-Unternehmen, dass sich in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld behaupten muss. Zugleich dürfte das Potenzial für künftig hohe Margen überschaubar sein, da Snap keine eigenen Cloud-Server hat und die Infrastruktur mieten muss. Sie müssen wissen: Auf Grund langfristiger Mietverträge hat Snap in den letzten zwei Jahren über 1 Milliarde Dollar für Cloud-Computing-Server ausgegeben.

Das sind mehr als 50% des Umsatzes in diesem Zeitraum. Bei gleichbleibender Bruttomarge und Betriebskosten hätte Snap rund 450 Millionen Dollar Umsatz im vierten Quartal benötig, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Mit anderen Worten, der Umsatz von Snap muss mehr als doppelt so hoch sein wie heute. Ob der Konzern das Nutzerwachstum so stark ankurbeln oder die Kosten senken kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

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